Seismische Aktivitäten nehmen zu
Die Erde ist ständig seismisch aktiv, es gibt natürliche Schwankungen in der Häufigkeit und Stärke von Erdbeben. Die seismische Aktivität variiert stark von Region zu Region. Gebiete wie der Pazifische Feuerring sind aufgrund der Plattentektonik besonders anfällig für Beben.
Im März 2025 sorgte eine Erdbeben-Serie vor der Vulkaninsel Santorini für Schlagzeilen, darauf folgten Beben der Stärke 7,7 in Myanmar und im Südpazifik bei Neuseeland, das zu einem Mini-Tsunami auf der Südinsel Neuseelands führten. Im Winter 2024 wurden in Teneriffa 500 Beben registriert, in Valencia vier in einer Stunde – neben vielen weiteren bemerkenswerten Beben und Vulkanausbrüchen weltweit.
Es ist bekannt, dass Aktivitäten wie Tiefbohrungen zu sogenannter „induzierter Seismizität“ führen können, also Erdbeben auslösen oder verstärken. Bohrungen verändern den Druck und die Spannungsverhältnisse im Untergrund, was bestehende Verwerfungen aktivieren kann.
Die Entsorgung von Flüssigkeiten aus der Öl- und Gasproduktion, die geothermische Energieerzeugung, die Entsorgung von Abfallflüssigkeiten und die Stauung großer Reservoirs kann induzierte Seismizität verursachen.
Erdmantel-Bohrungen, die darauf abzielen, sehr tiefe Schichten der Erdkruste zu erreichen, bergen potenziell höhere Risiken, da sie tiefer in Bereiche vordringen, in denen größere Spannungen vorhanden sein können. Die Injektion von Flüssigkeiten in den Untergrund, die oft mit solchen Bohrungen verbunden ist, kann das Risiko von Erdbeben weiter erhöhen.
Wissenschaftliche Forschung und Kontroverse
Die genauen Zusammenhänge zwischen Tiefbohrungen und seismischen Aktivitäten sind noch nicht vollständig verstanden. Wissenschaftler forschen aktiv, um Risiken besser minimieren zu können. Es gibt erste Beobachtungen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Tiefenbohrungen und erhöhter seismischer Aktivität festgestellt werden konnte.
Regulatorische Maßnahmen
Angesichts der potenziellen Risiken gibt es in vielen Ländern strenge Vorschriften für Tiefbohrungen, um die seismische Aktivität zu begrenzen, sie umfassen die Überwachung des Untergrunddrucks und die Begrenzung der Injektionsraten.
Bemerkenswert tiefe Erdbohrungen werden in Russland, China und Deutschland durchgeführt.
- Die Kola-Bohrung in Russland erreichte in den 1980er Jahren eine Tiefe von 12.262 Metern und ist damit die tiefste bisher.
- Sakhalin-I in Russland umfasst Bohrungen zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas in Tiefen von über 12.000 Metern.
- Die Kontinentale Tiefbohrung in Windischeschenbach in Bayern erreichte eine Tiefe von 9.101 Metern. Sie dient Forschungszwecken.
- In der Taklamakan-Wüste im Tarim-Becken in der westchinesischen Region Xinjiang finden sehr tiefe Bohrungen statt. Eine erreichte 2024 eine Tiefe von 11.000 Metern.
- China bereitet derzeit eine Bohrung von 11 Kilometern Tiefe mit dem Bohrschiff „Mengxiang“ vor, um durch die Erdkruste in den oberen Erdmantel vorzudringen – zu Forschungszwecken. Die Erdkruste ist die äußerste Schicht der Erde, unter den Kontinenten ist sie etwa 30 bis 50 Kilometer dick, unter den Ozeanen nur etwa 5 bis 10 Kilometer.
Dazu kommen komplexe geologische Prozesse auch um Europa. Die Türkei ist einem enormen tektonischen Druck ausgesetzt, der zu starken Erdbeben führt. Die anatolische Platte, auf der das Land liegt, wird von zwei Seiten eingezwängt. Die arabische Platte schiebt sich von Süden her gegen die eurasische Platte, was entlang der ostanatolischen Verwerfung mehrfach zu starken Beben führte, zuletzt vor zwei Jahren. Die eurasische Platte drückt die anatolische Platte nach Westen in die Ägäis. Dadurch bewegt sich die Türkei jährlich um etwa 25 Millimeter westwärts entlang der nordanatolischen Verwerfung in Richtung Istanbul. Die afrikanische Platte schiebt sich unter die eurasische Platte. Die entstehende Saugkraft verstärkt den Druck auf die anatolische Platte. Die Türkei befindet sich somit in einer „tektonischen Zange“, was die hohe Erdbebengefahr in der Region erklärt.
Das Konzept der Energie eines Bebens veranschaulichen Forscher anhand des Spaghetti-Beispiels. Zerbricht man eine einzelne rohe Spaghetti-Nudel, entspricht das etwa einem Erdbeben der Magnitude 5. Für 32 Spaghetti-Nudeln benötigt man dafür die Energiemenge, die bei einem Beben der Magnitude 6 freigesetzt wird. Um die Energie von Magnitude 7 zu erreichen, müsste man also 1.000 Spaghetti-Nudeln auf einmal zerbrechen. Das verdeutlicht, dass die Stärke eines Erdbebens nicht linear ansteigt. Ein Unterschied von einer Magnitude bedeutet die etwa 32-fache Zunahme der freigesetzten Energie.
Wissenschaftlich lässt sich bis heute nicht genau berechnen, wann Erdbeben auftreten werden. Die Ägäis gilt als Georisiken-Hotspot in Europa. Im nördlichen Raum um Aachen an der niederländischen Grenze wurde im Januar 2025 ein leichtes Erdbeben der Stärke 2,4 gemessen. Aufgrund der Beben in Lissabon und Sevilla in den letzten Wochen räumen Experten die Möglichkeit weiterer Erdstösse in Portugal und Spanien ein und rufen zur Risikoprävention auf. Portugal besitzt ein Tsunami-Warnsystem, da es von sechs seismisch aktiven Regionen umgeben ist.
Tipps für das Verhalten im Falle eines Erdbebens gibt die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik). Seismische Aktivitäten weltweit meldet VolcanoDiscovery. „Es gibt einen leichten Anstieg von drei Prozent in der Anzahl von Erdbeben über die letzten zwei Tage. Mittlere Beben der Stärke um 4,4 sind häufiger aufgetreten“, so die Website am 30. März 2025. Am selben Tag erreichte ein Mini-Tsunami die Südinsel Neuseelands, nachdem dort zuvor ein Erdstoß der Stärke 6,7 gemessen worden war.